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Naturheilkunde

 

Zwei Drittel aller Patientinnen möchten heute naturheilkundlich behandelt werden. Doch bei allem Vertrauen sind sie sich in manchen Punkten noch unsicher. Das muss nicht sein.

Was kann die Naturheilkunde besser als die Schulmedizin

Dort, wo es um Leben und Tod geht, auf der Intensivstation oder im OP-Saal, leistet die Schulmedizin Phänomenales. Wenn es um chronische Krankheiten geht, lindert sie mit Medikamenten kurzfristig Symptome. Langfristig können dann aber Nebenwirkungen auftreten und unter Umständen neue Probleme schaffen. Hier kommt die Naturheilkunde als Partnerin ins Spiel:

Sie heilt vielfach sanfter, häufig mit weniger Nebenwirkungen – und kann im Idealfall chronische Krankheiten bei ihren Wurzeln packen.

„Die Naturheilkunde setzt also unsere Selbstheilungskräfte in Gang“, sagt Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus, der auch die Stiftungsprofessur für Klinische Naturheilkunde der Charité innehat. Er erforscht die Wirkungsweise naturheilkundlicher Verfahren.

Was ist Naturheilkunde eigentlich genau?

Die Naturheilkunde verfügt im Gegensatz zur relativ jungen Schulmedizin über ein jahrtausendaltes Erfahrungswissen darüber, wie wir möglichst gesund bleiben. „Im Grunde geht es darum, mit aus der Natur entnommenen Methoden Krankheiten vorzubeugen und zu heilen“, sagt Prof. Michalsen.

Dazu gehört alles, was natürlich ist:

  • Heilpflanzen (Bachblüten, Aromatherapie, Gemmotherapie, Ceres uvm.)
  • Ernährungstherapie
  • Heilfasten
  • Bewegung
  • Meditation
  • Wasserheilkunde
  • Yoga

Allerneueste Forschungsmethoden der modernen Biologie und Medizin beweisen, wie hochaktuell die Naturheilkunde ist. „Sie zeigt Wege auf, wie wir gerade auch chronische Krankheiten endlich in den Griff bekommen können.“

Welches sind die wirksamsten Verfahren?

Die Arzneipflanzentherapie ist so alt wie die Menschheit selbst. Über Millionen von Jahren entstand eine verschwenderische Fülle von Substanzen, die für unser Überleben wichtig waren – und sind. Deshalb stehen in allen grossen traditionellen Heilkunden der Welt Pflanzen im Mittelpunkt.

Die komplexen Wirkungen von Hunderten von ätherischen Ölen werden überraschend oft in der modernen Wissenschaft untersucht. Es kann auf etliche Tausend Studien mit ätherischen Ölen zugegriffen werden, oft werden sie von renommierten Universitäten durchgeführt.

Antibiotika: Wegen der immer mehr nachlassenden Wirksamkeit von Antibiotika wird an Ergänzungen und Alternativen geforscht. Einige ätherische Öle wie Oregano (Origanum vulgare) sind bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen als Alternative denkbar, da sie bereits als einzunehmende Kapseln erhältlich sind und so eine systemische keimmindernde Wirkung entfalten. Forschungen am Quorum-Sensing (Gemeinschaftswahrnehmung) von Bakterien belegen die seit bald 30 Jahren gesammelte praktische Erfahrung, dass auch nur moderat antibakteriell wirksame ätherische Öle wie

  • Lavendel oder
  • Rose

bei Infektionen hilfreich sein können, da sie die „Angriffslust“ von Keimen empfindlich zu stören vermögen. (Eliane Zimmermann – Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe)

Kann die Naturmedizin Krankheiten heilen, bei denen die Schulmedizin nicht weiter weiss?

Idealerweise gehen Natur- und Schulmedizin Hand in Hand. „Das finde ich einen wichtigen Aspekt in meiner Praxis. Ich begleite viele ADHS Kinder und wenn man gemeinsam mit dem behandelten Kinderarzt, das Ritalin reduzieren oder ganz weglassen kann ist das ein Erfolg für mich“, meint Michèle Meier Brüllhardt.

Wie wirken Naturheilverfahren eigentlich genau?

Ihr Grundprinzip ist das Zusammenspiel von Reiz und Reaktion. Die Aromatherapie ist eine ernst zu nehmende und auf naturwissenschaftlicher Basis begründbare, ergänzende Heilmethode, die sich von der Manipulation der Gefühle und von einer auf Placebowirkungen beruhenden Behandlungsmethode deutlich unterscheidet. (Eliane Zimmermann – Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe)

Sind die Methoden den wissenschaftlich belegt?

„Wenn es Kranken dank Naturmedizin besser geht, bezeichnen viele Menschen das oft als Einbildung. Dabei muss auch die Naturheilkunde nachweisen, dass sie funktioniert“, sagt Andreas Michalsen. Die Wirksamkeit vieler Methoden ist wissenschaftlich belegt.

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts kannte man erste Inhaltsstoffe von ätherischen Ölen und war auch bald in der Lage, diese im Labor nachzubauen. Hydroxycitronelal beispielsweise wurde 1907 entdeckt und Cumarin konnte 1868 synthetisiert werden. Die Entdeckung der antiseptischen Eigenschaften der ätherischen Ölen wenig später markiert den Beginn der medizinisch-therapeutisch orientierten Aromatherapie, auch wenn dieser Begriff erst später geprägt wurde. (Eliane Zimmermann – Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe)

Hat die Pflanzenheilkunde auch Grenzen?

„Für mich nimmt die Phytotherapie eine wichtige Rolle ein. Aber Heilpflanzen brauchen etwas Zeit“, sagt Prof. Michalsen.

Wirkt Naturheilmedizin besser als bei anderen?

„Viel kommt auf die Einstellung an. Wer seinen Lebensstil ändert, kann nachweislich Krankheiten heilen. Gerade zwischen Frauen und Männer gibt es deutliche Unterschiede. Ein Mann neigt eher zu technischen Lösungen, er will das Problem einfach herausoperiert haben und sich nicht mit Ernährung auseinandersetzen. Ob Naturheilmedizin wirken kann, hängt letztlich von Ihrer Lebensphilosophie ab“, so der Charité-Professor.

Glossar: Vital 06/2019

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